Im ersten Teil der Reihe haben wir schon ein paar Vorurteile erfahren: Die befragten 114 Männer und 171 Frauen der Studie glauben, dass vor allem Frauen ganz allgemein ihren Selbstwert von Beziehungen bzw. ihrem Beziehungsstatus abhängig machen. Dabei wurde für das Alter und die Anzahl an Kindern kontrolliert, d.h. beide beeinflussen das Ergebnis nicht. Jetzt geht’s an die Realität! Im zweiten Teil der Studie wurden die Leute gefragt, wie sehr sie selbst ihr Selbstbewusstsein von der Liebe abhängig machen.

Der Beziehungsstatus und das Selbstbewusstsein

„Ich fühle mich wertvoll, wenn ich eine:n Lebensgefährt:in habe.“ Solchen Fragen haben die Männer im Mittel mit 4,44 zugestimmt, Frauen „nur“ mit 4,14 (wobei 7 das Maximum war). Der Unterschied ist statistisch signifikant, aber nur mit einem kleinen Effekt. Somit machen Männer ihr Selbstbewusstsein etwas mehr davon abhängig, ob sie überhaupt in einer Beziehung sind.

Interessanterweise wurden dieselben Leute befragt und es gibt komplett entgegengesetzte Ansichten über Frauen: In den Vorurteilen sind Frauen „die Abhängigeren“, in der Selbstwahrnehmung sind sie jedoch unabhängiger als die Männer. Hier zeigt sich mal wieder ein schönes Beispiel von Vorurteilen und Realität bzw. Selbst- & Fremdwahrnehmung – eines der häufigsten Coaching-Themen.

Dieser Teil der Studie wurde im Nachgang auch noch mal mit vier weiteren Stichproben getestet, um noch mal auf Nummer sicher zu gehen. Und das Ergebnis: Die Männer hatten immer höhere Werte und der Effekt variierte zwischen klein bis sogar mittel! Ich denke, damit können wir dieses Vorurteil ablegen…

Die Verbindung und das Selbstbewusstsein

„Ich fühle mich besser, wenn mein:e Partner:in und ich emotional verbunden sind.“ Diese Fragen haben Männer und Frauen nahezu gleich beantwortet mit einem Mittelwert von 5,1. Beim Zusammenhang zwischen der Beziehungsqualität und dem eigenen Selbstbewusstsein gibt es also keinen Geschlechtsunterschied. Alle Geschlechter halten dies für sehr wichtig!

beziehungsstatus Beziehungscoach Berlin

(1 = stimme überhaupt nicht zu; 7 = stimme voll und ganz zu)

Der Beziehungsstatus ist eher relevanter bei Männern

Als dritte Studie haben die Forscher:innen noch ein weiteres Experiment gemacht, was nicht auf subjektiven Urteilen basiert. Sie haben 173 Menschen (57 Männern, 89 Frauen) folgendes Szenario vorgelegt (es gab auch eine Kontrollgruppe, die über einen Zahnarztbesuch schrieb):

  • Das Beziehungsaus:
    • Die Hälfte sollte sich vorstellen, wie sich ihr Leben verändern würde, wenn man sich in naher Zukunft trennt. Dafür sollten sie 5 Minuten aufschreiben, was auch immer ihnen in den Sinn kommt.

Dann wurde geprüft, welche Worte die Teilnehmer:innen benutzten. Die Theorie dahinter ist, dass bestimmte Worte Absichten, Gedanken und Prioritäten wiederspiegeln. Und auch hier bestätigte sich: Männer nutzen mehr Worte zum sozialen Status wie z.B. „verdienen, erreichen, gewinnen“. Wieder mit einem kleinen Effekt. Bei Frauen waren es (auch mit kleinem Effekt) eher Worte, die die Angst die Verbindung zum Partner zu verlieren ausdrücken wie „wir, uns, unser“.

Männer werten Beziehungen etwas mehr als Quelle ihres sozialen Status und machen ihr Selbstbewusstsein davon abhängig. Und wenn Männern tendenziell der Beziehungsstatus etwas wichtiger ist als Frauen, könnte das die Obsession einiger Männer erklären, ihre Ex wiederzugewinnen. Mittlerweile gibt es dazu ganze Wirtschaftszweige, die daran Geld verdienen und sich hauptsächlich an Männer richten.

Insgesamt sind sowohl Männern als auch Frauen eine hohe Qualität der Beziehung sowie ihr Beziehungsstatus wichtig für ihr Selbstwertgefühl. Grundsätzlich tut man bzw frau gut daran, sich das Selbstwertgefühl unabhängig von anderen aufzubauen, wofür Coaching ein kleiner Booster sein kann…

Quelle: Kwang, T., Crockett, E. E., Sanchez, D. T., & Swann, W. B. (2013). Men seek social standing, women seek companionship: sex differences in deriving self-worth from relationships. Psychological Science, 24(7), 1142–1150.