Ein Seitensprung ist ein sehr emotionales Thema in Beziehungen. Und häufiger als man bzw. frau vielleicht glaubt. Denn laut Statistiken sind rund 20 bis 25 Prozent aller Verheirateten schon mal fremdgegangen. Womöglich ist die Dunkelziffer weitaus höher, weil viele Menschen einen Seitensprung nur ungern preisgeben. Mittlerweile ist der Seitensprung sogar ein kompletter Wirtschaftszweig geworden, denn es gibt unfassbar viele Seitensprungportale online, die sich die Suche nach einem Abenteuer gut bezahlen lassen.

Wieso trennen sich so viele Paare nach dem Fremdgehen?

Es gibt sehr viele Gründe, wieso Menschen Fremdgehen. Manche Fremdgänger:innen meinen, dass der Seitensprung die Beziehung verbessert. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. In der Regel sinkt die Zufriedenheit mit der Beziehung und das bei Frauen stärker als bei Männern. Schnell hat die Glückseligkeit dann ein Ende, denn 75 Prozent der Ehen mit Seitensprung enden in einer Scheidung.

Interessant ist, dass beim Fremdgehen meistens negative Absichten vermutet werden und es deshalb zur Trennung kommt. Ein häufiger Mythos ist zum Beispiel, dass es Affären nur in unglücklichen Beziehungen gibt, was nicht stimmt. Manchmal können Menschen einfach nicht die Balance finden zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit/Monogamie und dem Wunsch nach Abenteuer/Freiheit.

Andere glauben, dass Menschen mit einer Affäre zuhause nicht genug bekämen. Doch meistens sind es „die eigenen Themen“, das heißt untreue Partner:innen sind meist diejenigen, die nicht genug geben. Wer wenig in die eigene Beziehung „investiert“, neigt eher dazu untreu zu sein und das eigene Verhalten fälschlicherweise auf das Gegenüber zu projizieren.

Das Verhalten der Fremdgänger:innen hat meist nichts mit dem Verhalten der Betrogenen zu tun. Wer sich als Betrogene:r nicht verantwortlich für den Seitensprung macht, hat viel für sich selbst erreicht!

Verzeihen ist wichtig beim Seitensprung

Nun ist der Seitensprung passiert… Wie gehe ich damit als Betrogene:r am besten um? Manche verdrängen das Thema, andere planen einen Rachefeldzug… Doch beschäftigen wir uns zu lange mit negativen Gedanken, ist es wie ein Gift, das wir immer wieder zu uns nehmen. Am Ende schaden wir uns damit am meisten selbst. Destruktive Gedanken haben nicht nur emotionale negative Auswirkungen, manchmal sogar körperliche. Dies hängt mit dem Stresshormon Cortisol zusammen, das wir bei negativen Gedanken produzieren.

Aus Coaching-Sicht ist die beste Möglichkeit darauf zu reagieren: Verzeihen.  

Verzeihen bedeutet nicht (zwangsläufig) Versöhnen. Es bedeutet auch nicht, dass das Verhalten der untreuen Person entschuldigt oder geduldet wird.

Echtes Verzeihen bedeutet, dass ich mir erst einmal meiner eigenen Bewertungen bewusst werde. Wie beurteile ich das Verhalten der Fremdgänger:in? Wie bewerte ich die Untreue?

Dann geht es zum nächsten Schritt: Eine neue Betrachtungsweise finden. Was für Absichten können hinter dem Fremdgehen stecken? Welche Erkenntnisse kann ich nutzen, um mein Beziehungsleben zu verbessern?

Dies kann bedeuten, dass ich meine Beziehung verändere oder mich trenne. Im Großen und Ganzen ist es wichtig, von den negativen Gefühlen loszulassen, um wieder in die eigene Kraft zu kommen und zu einer positiven Lebens-Einstellung.

Falls du dafür Unterstützung benötigst, erkundige dich gerne nach einem Coaching bei mir.

Quelle: Hall, J. H., & Fincham, F. D. (2006). Relationship dissolution following infidelity: The roles of attributions and forgiveness. Journal of Social and Clinical Psychology, 25(5), 508–522. doi: 10.1521/jscp.2006.25.5.508

Die Studie ist leider sehr schlecht, denn es wurden nur junge Studierende der Psychologie befragt. Sie waren im Mittel 20 Jahre alt, weshalb ich ihnen ein geringes Bindungsverhalten zu ihren Partner:innen unterstelle. Ein Seitensprung in der Ehe hat sicher schwerwiegendere Konsequenzen als in der Jungend-Phase. Aber die Studie hat einige interessante Sichtweisen, über die ich hier gerne berichten möchte.